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Sonntag, 22.07.2012, 14:47

Eine Geschichte, die das Leben schrieb, vor 20 Jahren. Und trotzdem, heute so aktuell wie damals.

Endlich Urlaub, unser erster Urlaub mit den Kindern! Wie ich mich freue! Lang haben wir gewartet damit, weil wir uns viel Stress um viel Geld nicht antun wollten. Fast 5 sind die Zwillinge jetzt, da sollte es doch schon einfacher sein, oder? Sie können selber essen, trinken, sich allein anziehen. Sie haben sich daran gewöhnt, auch auswärts aufs Klo zu gehen und sie erklimmen die Klomuschel selbständig. Auch Hände waschen danach können sie allein und im Frühjahr haben sie sogar schon schwimmen gelernt.

Wir fahren mit unseren Freunden Anna und Josef, deren Kinder sind 6 und 9, die Kinder verstehen sich super, spielen immer gern miteinander und auch wir Erwachsenen kennen uns gut. Wir mieten ein großes Haus am Plattensee, ein großer Garten, rundherum eingezäunt, viel Platz zum Spielen, 5 Minuten zum See, dort gibt’s einen großen öffentlichen Strand. Herz, was willst du mehr, den Urlaubsfreuden steht nichts mehr im Weg!
Tja, so einfach ist die Sache aber leider nicht, auch wenn man die perfekten Rahmenbedingungen schafft.
Wir vereinbaren, um 1.00 früh loszufahren, das ist perfekt, da kann man sie schlafenden Kinder ins Auto legen, auf der Rückbank machen wir ihnen mit einer Gitterbettmatratze ein bequemes Bett. (Ja, ich weiß, unverantwortlich, aber damals hat man es mit Kindersitzen noch nicht soooo genau genommen, zumindest nicht in solchen Ausnahmefällen.) Der Plan war, dass sie da einfach weiter schlafen. Tja, so war der Plan. Die Realität war, dass sie putzmunter sind, in dem Moment, wo wir sie ins Auto legen. Und in weiterer Folge nach 10 km am Puckinger Berg die übliche „Hunger, Durst, Lulu, simma bald da???“ Suderei los geht. Die dauert bis 10km vor der ungarischen Grenze, dann schlafen sie endlich ein und wir atmen erleichtert auf. Es ist mittlerweile 5.00 Uhr früh. 9km vor der Grenze beginnt der übliche Grenzstau und wir stehen in der Schlange. Es passiert, was immer passiert, wenn ein Auto mit schlafendem Kind an Board zum Stillstand kommt: Das Kind fährt wie von der Tarantel gestochen hoch und ist augenblicklich hellwach. „Simma schon da?“
Nein, wir sind noch nicht da, wir stauen uns 1 Stunde über den Grenzübergang und fahren weiter Richtung Plattensee. Mittlerweile beginnt es zu regnen, macht ja nix, wird schon wieder aufhören, wir haben ja eh 2 Wochen Urlaub.

Um 10.00 erreichen wir unser Ferienhaus, die Vermieter sind auch schon da. Aber leider, die Vormieter sind grad abgereist und haben einen sagenhaften Saustall hinterlassen. „15.00 Uhr Madame, geht nicht schneller, große Haus, viel Dreck, schaust du?!“ Ja, ich sehe, ist kaum zu übersehen, man kann es sogar riechen.
Wir fahren mal den Strand anschauen. Oh Gott ist der hässlich bei Regen! Na gut, morgen wird’s schon wieder schön werden. Nach einem Mittagessen in einem sehr antiquierten Gasthaus können wir am Nachmittag endlich unser Haus übernehmen, auspacken, einkaufen, die Kinder sind um 18.00 so überdreht und saulästig, dass wir sie ins Bett stecken und hoffen, dass sie augenblicklich einschlafen. Tun sie natürlich nicht, übermüdete Kinder schlafen nicht mal im eigenen Bett sofort ein, geschweige denn in der mottenstichigen ungarischen Blümchenbettwäsche.
Um 22.00 ist endlich Ruhe im 4-Bett Kinderzimmer und wir lassen uns erschöpft mit einer Flasche Wein auf der Terrasse nieder. Kaum ist der Wein eingeschenkt, haben das auch Millionen Mücken entdeckt und fallen über uns, den Wein und die Terrasse her. Wir flüchten ins Haus. Mangels Fliegengitter haben wir die Wahl zwischen geschlossenen Fenstern und Licht oder Frischluft mit Munkeln im Dunkeln. Es kann nur besser werden, denken wir Vier. War leider auch ein frommer Wunsch.

Was sonst noch alles geschah in diesem Urlaub:

Unsere Kinder, die von Geburt an im Kinderzimmer geschlafen haben und nur in Krankheitsfällen ins Elternbett kamen mutieren in der zweiten Nacht zu heulenden Mamabett-Besetzern und sind nicht mehr zur nächtlichen Rückkehr ins Kinderzimmer zu überreden.

Die zwei Mädchen, die sich immer so gut verstanden haben und zu Hause so gern miteinander spielten, rufen sofort nach dem Erwachen am zweiten Tag einen Zickenkrieg aus, der seinesgleichen sucht. Fortan beginnt jedes Aufeinandertreffen mit den Worten: „Schau mit ned an“ und der Antwort: „Du Deppate!“

Die Zicke der Anna bekommt am dritten Tag Mittelohrentzündung und muss das Bett hüten. Das heißt für die Anna mit der Zicke das Haus hüten, kein Problem, die Große nehmen wir mit zum Strand, die ist eh pflegeleicht.

Der Josef, der Papa der Zicke hat sein Rennrad mitgebracht, er geht lieber radfahren als baden. Macht ja nix. Er geht natürlich auch lieber Radfahren als kranke Zicke hüten. Dass die Anna lieber baden ginge als Zicke hüten ist ihm egal. Baden wird sowieso überbewertet, und der See kann eh gar nix. Die Anna sagt dem Josef auch am zweiten Zicken-Haushütetag, dass er morgen zu Hause bleiben soll. Das sieht er aber überhaupt nicht ein, er hat ja schließlich Urlaub. Das hat die Anna auch, meint sie, hilft aber nix. Jetzt hat sie nicht nur ein krankes Kind im Urlaub, sondern auch noch mit dem Josef einen Streit, der sich gewaschen hat. Er bleibt dabei, er geht morgen wieder radfahren. Das hat er ich aber nur so vorgestellt, denn am Morgen hat er Fieber, Schüttelfrost und eine eitrige Angina und lässt sich ganz kleinlaut von der Anna zum Arzt bringen. Die kennt den Weg ja schon und nimmt die Zicke gleich mit zur Kontrolle. Bei der hat sich die wundersame Heilung vollzogen und sie darf wieder raus. Zumindest mit an den Strand, nicht ins Wasser. Somit kann der Josef ganz allein zu Hause leiden und es stört ihn keiner in seinem Elend. Kommt auch keiner, wenn er was braucht, Hunger oder Durst hat, aber that’s life!

Zwischenzeitlich macht sich bei mir immer wenn ich in die Sonne gehe leichtes bis stärker werdendes Jucken am Ausschnitt bemerkbar. Sonnenallergie, zum ersten mal in meinem Leben! Ich, die niemals nimmer nicht auf irgendwas allergisch ist! Fenistil Gel hilft nur bedingt, ins Wasser gehen mit Stehkragen T-Shirt ist auch suboptimal. Die nette Apothekerin, bei der ich Hilfe suche erklärt mir, dass man bei Sonnenallergie schon vor dem Urlaub zu Hause mit der Behandlung anfangen soll. Jo eh, dazu müsste man allerding wissen, dass da eine Allergie ist.

Also, aktueller Stand nach 10 Tagen Urlaub:

Die zwei kleinen Zicken befetzen sich immer noch.
Die Zicke von der Anna darf zwar baden, aber kein Wasser ins Ohr bekommen. Somit darf sie nicht ins Wasser springen, nicht rutschen, nicht tauchen. Was meine Zicke bei jeder Gelegenheit zu schadenfrohem Zunge zeigen, lange Nase zeigen, „ällerbätsch“-Rufen animiert. Weiter siehe erster Punkt.
Der Josef braucht ein zweites Antibiotikum weil das Fieber nicht runter geht.
Die Mücken auf der Terasse haben nicht vor zu übersiedeln, also verbringen wir weiterhin die Abende im Haus. Ist halt mit 4 Rauchern und Tagestemperaturen um die 40° ned prickelnd. Ja, ja, 4 Raucher, der Josef ist ein Harter, so a bissi Fieber und Angina hindert ihn nicht am Rauchen, dazu müsste er schon wirklich krank sein.
Meine Sonnenallergie hat sich vom Ausschnitt auf den ganzen Körper ausgebreitet, ich überlege, einen Kaftan zu kaufen zum Baden. Burkinis gabs ja damals noch nicht.
Seit Tagen steigt das Thermometer immer auf über 40°, das macht es so lange, bis der das Seewasser kippt und sich in eine unangenehm stinkende Brühe verwandelt. Da wollen nicht mal mehr die hartgesottenen Kinder rein gehen.

Am 11. Tag nieselt es, bei immer noch 30°. Die Kinder wollen trotzdem an den Strand, dort gibt’s einen Spielplatz. Also packen Anna und ich sie ins Auto und fahren hin. Wir sehen eine ganze Menge Männer, die in Gummistiefeln durch das knietiefe Wasser waten und große schwarze Müllsäcke hinter sich herziehen. „Mama, was machen die?“ „Keine Ahnung!“ gilt natürlich nicht als Antwort, also muss das genau erkundet werden.
Was sie dann sehen, hätten sie aber lieber nicht gewusst: Die Millionen Aale im Wasser wollten in der stinkenden Brühe auch nicht mehr weiterleben, und haben scheinbar kollektiven Selbstmord beschlossen. Die gesamte Wasseroberfläche ist voll von verendeten Aalen und die Männer sammeln sie ein.
Pfui Teufel, hats uns gegraust! Und plötzlich waren sich sogar die beiden Zicken wieder einig und schimpften gemeinsam, wie schiarch und grauslich das ist.

Und dann sprach der gar nicht zickige Bruder meiner Zicke die erlösenden Worte:

„Mama, bitte fahr ma ham!“



 
als wärs gestern gewesen
ich hab der Anna den Link zu der Story geschickt, mit der Frage: "Erinnerst du dich noch?"

Zurück kam: "Und ob ich mich erinner, als wärs gestern gewesen!"

Am Wochenende werd ich die Kinder fragen, ob sie sich auch erinnern. ;-)

SD
 
momente
die man nie vergisst :D
that's life ;)
amüsante geschichte und vieeeele dinge kommen mir sehr bekannt vor....
lg pfote
 
sd...diese geschichte
is der wahnsinn...ich hab mich gekugelt, mitgefiebert (mit der ann, nicht mitm josef!!!!)...vieles erlannt, manches gsd noch nicht erlebt.

vielen dank für diese vergnüglichen minuten. ich hoffe, du hattest beim schreiben mehr spaß als damals beim urlauben...

lg sikamu
 
@Sikamu
ja, das hatte ich. Aus der Ferne bzg. mit zeitlichem Abstand betrachtet ist es ja wirklich lustig. Eigentlich gibts noch ein paar so gute Storys, ich müsst sie nur niederschreiben.

Campingurlaub in letzter Minute mit drei 15-jährigen hätt ich da noch ;-)

LG
SD
 
herrlich
also so wie du die geschichte schilderst empfinde ich mich grad mittendrin...wobei bei mir sind solche erinnerungen schon länger her und ICH war damals das kind....

zwar nicht am plattensee, aber irgendwo an irgendwelchen seen, übernachtet in pensionen, aus langeweile die katze vom 4 stock runter geworfen, nie geschlafen wenn die eltern das wollten, wobei als jüngste von 3 geschwistern wollte ich natürlich auch den platz in mama&papas bett, hab rumgezickt bis zum geht nicht mehr, mit meinen geschwistern rumgestritten usw. usf.

aber wir haben es alle überlebt...auch die katze...gsd:-O

lg an dich